Die Spanbildung beim Gewindeschneidprozess ist vergleichbar mit der kontinuierlichen plastischen Verformung von Werkstoff, welcher am Schluss gebrochen wird, wobei die Härte des Spans meist höher liegt als der zu bearbeitende Werkstoff selbst.
Dies erklärt sich, indem der Span während des Prozesses gestaucht wird, dieser entstehende Span bricht im Schneidbereich bei
Überschreiten der Bruchgrenze.
Die Spanbildung als solches ist eine komplexe Angelegenheit und wird im Wesentlichen von drei Faktoren beeinflusst:
• Geometrie: Spanwinkel, Freiwinkel, Oberflächenrauhigkeit der Spannuten und die Gewindetiefe
• Prozess: Schnittgeschwindigkeit
• Chemische Komponenten: zu bearbeitender Werkstoff, Grundwerkstoff des Werkzeugs, eventuelle Beschichtungen, Kühlschmierstoff
Die Spanformen können in drei Gruppen gegliedert werden:
• Lange und ununterbrochene Späne
• Kurze Späne
• Bröselspäne
In Abhängigkeit von dieser Einteilung kann auch eine generelle Bearbeitungsskala erstellt werden. Es kann als gutbearbeitbar ein
kurzer und ein Bröselspan bezeichnet werden. Als weniger gutbearbeitbar ein langer und ununterbrochener Span. Die Werkstoffe, die
einen langen Span bilden, sind in der Regel die mit einem hohen Dehnungskoeffizienten. Somit sind das tatsächliche Spanvolumen
und das theoretische Spanvolumen sehr hoch; je höher dieser Wert ist, je schlechter die Bearbeitbarkeit und das benötigte Drehmoment.

 

 


Beim Gewindeschneiden, welches in einer geschlossenen Kammer geschieht, ist die Spanabfuhr von größter Wichtigkeit, insbesondere bei der Bearbeitung von Grundlochgewinden, bei Nichteinhaltung von Grundregeln können zu große Gewinde entstehen oder gar Werkzeugbruch.
Die richtige Werkzeugauswahl ist entscheidend in Form von lehrenhaltigen Gewinden und entscheidet letztlich auch über die Produktivität.

TEMPERATURVERTEILUNG
Die Temperaturabfuhr beim Gewindeschneidprozess ist eine nicht zu vernachlässigende Komponente, diese entscheidet über den
Schneidenverschleiß.
Die entstehende Temperatur beim Prozess hängt von folgenden Punkten ab:
• Benötigte Energie für die plastische Verformung, Spandicke, zu bearbeitender Werkstoff, Schnittgeschwindigkeit, Gewindetiefe
• Entstehende Reibung während des Prozesses, bedingt infolge der Oberflächenbeschaffenheit, verwendetes Kühlschmiermittel und Werkzeugbeschichtung

Die Temperaturabfuhr erfolgt hauptsächlich über den Span und nur in sehr geringem Maß über das Bauteil und Werkzeug.

 


© 2008 Fratelli Vergnano